Die Kriegsenkel

70 Jahre Kriegsende:

Das Lebensglück finden, indem wir das Leben der Großeltern erforschen

 

Vor 70 Jahren endete der Zweite Weltkrieg, aber die Folgen dieser schrecklichen Jahre sind heute noch lebendig. Wir sehen zwar keine Ruinen mehr, wir sehen auf den Straßen keine Kriegsversehrten, die im Rollstuhl sitzen. Aber die Folgen des Krieges wirken bis in die vierte Generation hinein. Das ist die Erkenntnis des Großelternforschers Wolfgang Krüger. Er schreibt in seinem Buch ‚Die Geheimnisse der Großeltern‘, in fast jeder Familie gäbe es dramatische Kriegserlebnisse und traumatische Erfahrungen. Man sei nicht fähig gewesen, diese wirklich zu verarbeiten und so wurden sie verdrängt. Es wurde nicht mehr emotional darüber geredet und in der nächsten Generation wurde überhaupt nicht mehr darüber gesprochen. Und schließlich  wurde darüber noch nicht einmal nachgedacht – das Tabu war perfekt. An die Stelle unsäglichen Leidens und ständiger Angst und Ohnmacht trat das Schweigen. Dadurch entstanden emotionale Defizite, man hatte in den Familien keinen Zugang mehr zu Ängsten und gleichzeitig waren Gefühle von Zuversicht und Hoffnung beschädigt. Dies Schweigen war schwer zu durchbrechen, weil sich die gesamte Gesellschaft daran beteiligte. Nur selten wurden jene Überzeugungen, die im Nationalsozialismus wirksam waren, sprachlich weitergegeben. ‚Man muss immer tapfer sein‘, hieß es dann, wenn Kinder kränkelten. Manchmal wurden Überzeugungen auch im Beziehungsverhalten weiter gegeben. Eltern reagierten dann mit einem kränkenden Rückzug, wenn ihre Kinder in der Schule nicht perfekt waren. Aber meist wurden Kriegsereignisse durch Stimmungen weitergegeben. Entscheidend war hierbei vor allem alles, was fehlte: tiefe Leidenschaft, Gefühle der Unbekümmertheit, aber auch der Trauer. Deshalb wirkten die 50iger Jahre so oberflächlich und hohl. Und noch heute berichten Enkel davon, dass ihr Leben wie in Watte verläuft, obgleich sie erfolgreich sind. Das ist oft eine typische Spätfolge des Krieges, von Flucht und Vertreibung. Deshalb ist es so entscheidend, dass wir die Geheimnisse der Großeltern erforschen. Wir müssen ihr Schweigen aufheben und uns die verschütteten Kräfte wieder aneignen. Aber wir müssen darüber hinaus auch die Lebensleistung der Großeltern würdigen, sonst verdüstern wir  ihr Leben. Wir müssen uns daher auf eine große Forschungsreise begeben. Dann begreifen wir, welche Familienbotschaften und Familienwerte unser Leben bis heute prägen. Und wir sehen, welche Familienschätze es gibt. Es ist das Wissen der Großeltern, es ist die Fähigkeit, auch schwierige Situationen zu überstehen. Erst wenn wir das Leben der Großeltern auf diese Weise erforschen, haben wir die Folgen des Krieges aufgearbeitet und können mutig die Zukunft bewältigen.

 

Kostenloser Abdruck – auch auszugsweise –  bei Erwähnung des Buches

Wolfgang Krüger: Die Geheimnisse der Großeltern, BOD 9,90

Interviews und Rezensionsexemplare krueger-berlin@web.de

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