Wann sollte man zusammenziehen?

Heute zögern die meisten Paare zunächst, in eine gemeinsame Wohnung zu ziehen. Sie führen oft eine LAT-Beziehung (Living-apart-together). Man hat dann eine Mi-Sa-So-Beziehung, trifft sich also an drei Tagen in der Woche und hat ansonsten viel Freiräume. Doch dies hat auch Nachteile: Man ist immer Gast in der Wohnung des anderen und es fehlt jene beiläufige Nähe, die beim Zusammenwohnen selbstverständlich ist. Deshalb ziehen die meisten Paare dann doch irgendwann zusammen. Das mag am Anfang Konflikte mit sich bringen. Man kann sich nicht mehr so leicht ausweichen und muss sich einigen. Das steigert aber die Konfliktfähigkeit und auch die Beständigkeit von Partnerschaften. Der Sozialprofessor Vaskovics untersuchte sechs Jahre lang Paare, nur ein Drittel trennte sich, wenn sie zusammen wohnten. Doch zwei Drittel waren inzwischen verheiratet oder wollten heiraten. Offenbar werden Beziehungen stabiler, wenn man zusammen lebt.

Doch damit das Zusammenleben gelingt, muss man die sieben Stolpersteine des Zusammenziehens beachten:

  1. Der richtige Zeitpunkt: Man sollte sich zunächst mindestens ein Jahr lang kennenlernen und einen Urlaub miteinander verbringen. Oder man hat probeweise zusammengewohnt. Dann kennt man auch die Eigenarten des anderen und weiß, ob man sich mit seinen Macken anfreunden kann. Man braucht viel Humor, um sich dann nicht ständig über den anderen zu ärgern. Allerdings möchten Männer heutzutage viel schneller zusammenziehen als Frauen. Nach einer Umfrage von Elite.de ist jeder zweite Mann schon nach wenigen Monaten dazu bereit, während die Frauen eher zögern.
  2. Man sollte möglichst eine neue Wohnung suchen. Wenn sie zu ihm zieht, besteht immer die Gefahr, dass sie sich als Gast fühlt. Zumindest muss es immer ein Neuanfang sein, der entsprechend gefeiert wird.
  3. Jeder braucht möglichst einen eigenen Raum. Sonst bestehen immer viele Konflikte: Er will seine technischen Geräte unterbringen, sie die schönen Möbel ihrer Großmutter. Sie will klassische Musik hören, er will die Sportschau schauen. Und er schnarcht. Deshalb sind getrennte Zimmer so praktisch, in denen jeder notfalls getrennt schlafen kann.
  4. Die wichtigste Vorbereitung besteht darin, die Aufgabenverteilung zu klären. Wer ist für das Einkaufen zuständig, für die Putzarbeiten, für das Kochen. Man braucht klare Vereinbarungen. Sonst bleibt das Putzen immer an den Frauen hängen und er hilft nur. Dann besteht die Gefahr, dass sich die Partnerinnen ständig ärgern und sich zurückziehen. So ist auch das Ergebnis einer Umfrage verständlich, die am Londoner University Collage durchgeführt wurde. Sie ergab, dass die Frauen nach dem Zusammenziehen  weniger Lust am Sex verspüren, während sie bei den Männern zunimmt. Ausschlaggebend dafür war der Dauerfrust im Haushalt.
  5. Nähe und Distanz: Eine wichtige Herausforderung beim Zusammenziehen besteht darin, die Nähe- und Distanzbedürfnisse neu zu regeln. Häufig besteht folgender Konflikt: Er will mehr Nähe, sie will mindestens einen Abend mit Freunden verbringen. Vor allem Frauen ab 45 Jahren haben größere Wünsche nach Selbständigkeit als Männer. Diese Selbstständigkeit ist wichtig, damit die Liebe lebendig bleibt. Jeder muss auch beim Zusammenwohnen eigenständig bleiben und sich um seine Hobbys und Freundschaften kümmern.
  6. Partnerschaft ist auch eine Inszenierung. Wenn man nicht zusammenwohnt, gibt es vor allem für die Wochenenden eine ausgefeilte Planung. Doch wenn man zusammenwohnt, beginnt oft eine Routine. Beide entspannen sich, wenn sie ihre Steuererklärung fertig stellt, während er kocht. Und abends sitzt man vor dem Fernseher. Doch eine Partnerschaft braucht auch besondere Momente, zu denen man sich verabredet.
  7. Die Reißleine: Nach einem halben Jahr sollten die Anfangsschwierigkeiten behoben sein. Notfalls sollte sich jeder wieder seine eigene Wohnung suchen.

Kostenloser Abdruck – auch auszugsweise – bei Hinweis auf das Buch des Autors:

Wolfgang Krüger: Freiraum für die Liebe – Nähe und Abstand in der Partnerschaft.

Kontakt: krueger-berlin@web.de

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