Mit Humor lebt man länger

Dr. Wolfgang Krüger

Mit Humor lebt man länger

Der Humor ist einer der  stärksten Gesundheitsfaktoren – mindestens ebenso wichtig wie das Abnehmen, Sport und Nicht-Rauchen. Diese Erkenntnis verdanken wir vor allem dem Wissenschaftsjournalisten Norman Cousins, der in den 70iger Jahren im Krankenhaus lag. Er litt damals unter Morbus Bechterew und wollte sich nicht damit abfinden, dass er seine Gelenke nur noch unter großen Schmerzen bewegen konnte. Also verließ er das ungemütliche Krankenhaus, zog in ein Hotel und schaute sich lustige Filme an. Denn er stellte fest: Immer wenn er 10 Minuten lachte, konnte er anschließend 2 Stunden schmerzfrei schlafen.  Und obwohl die Heilungschance bei dieser Erkrankung nur bei 1:500 lag, bemerkte er bald einen Rückgang der Entzündungen und wurde schließlich sogar als geheilt betrachtet. Über seine Heilung schrieb Cousins 1979 das vielbeachtete Buch ‚Der Arzt in uns selbst‘ und gründete an der Universität von Los Angeles eine Abteilung für medizinische Humorforschung.

Krankheiten nach einer Krise

Natürlich brauchen wir eine gewisse Bescheidenheit. Aber ich bin ich davon überzeugt: Humor ist für unsere Gesundheit wichtig. Das wissen wir alle. Es gibt Tage, an denen der Alltagsstress an uns abperlt, an denen wir humorvoll vieles weglachen und es gibt Tage, an denen wir dünnhäutig sind und Krankheiten fast anziehen.  Sie alle werden in Ihrer Arbeit Fälle kennen, in denen eine Erkrankung wahrscheinlich die Folge eines seelischen Zusammenbruchs war. Einer meiner Patienten bekam zwei Jahre nach einer schweren Lebenskrise ein Plasmozytom (Knochenkrebs). Es wäre gewagt, wenn wir eine solche Krankheit vor allem seelisch erklären. Aber kann es nicht sein, dass dieser Patient deshalb ein schlechteres Immunsystem hatte, weil er das Leben nicht mehr komisch fand.

Doch warum ist der Humor so wichtig? Immanuel Kant hat vor über hundert Jahren darauf hingewiesen, dass unser Leben immer wieder durch zahlreiche Unsicherheiten bedroht ist. Und als Ausgleich – gewissermaßen als Stoßdämpfer – habe uns die Natur den Humor mitgegeben. Ohne diesen Humor fühlen wir uns im Leben wie der Fahrer in einem schlecht gefederten Gelände Jeep, so dass er von allen Unebenheiten durchgerüttelt wird. Der Humor schützt also unser verletzliches Ich – meinte bereits Sigmund Freud.

Die Hälfte unserer Gesundheit

Und dies Ich ist ein wichtiger Teil unseres Immunsystems. Anders gesagt: der seelische Faktor spielt eine bedeutende Rolle. Selbst Genetiker sind inzwischen überzeugt, dass wir die Hälfte unserer Gesundheit durch unsere Lebensweise und seelische Stabilität selbst beeinflussen können. Und hier ist vor allem der Humor wichtig, denn er hat eine Schutzfunktion. Deshalb verfügen humorvolle Menschen über ein besseres Immunsystem. Das stellte schon der Pionier der Humorforschung – – der Amerikaner William Finley Fry – in den sechziger Jahren in einem Experiment fest. Während er sich einen Film mit Dick und Doof anschaute, ließ er sich Blut abzapfen. Und es zeigte sich, dass die Zahl der sogenannten Killerzellen im Blut zunahm. Inzwischen wissen wir, dass durch das Lachen das Immunsystem erheblich gestärkt wird. Der Humor wirkt entspannend, er kann vor einem Herzinfarkt schützen, er ist eines der  stärksten natürlichen Schmerzmittel. Eine siebenjährige Studie der Norwegischen Universität in Trondheim ergab sogar, dass humorvolle Menschen 20% länger leben. Deshalb meinte der italienische Schriftsteller Curzio Malaparte: Jedes Mal, wenn ein Mensch lacht, fügt er seinem Leben ein paar Tage hinzu.

Humor: Stufe 1

Doch wie können wir mit dieser Erkenntnis umgehen? Wir können zunächst überlegen, wie wir mit den täglichen Ärgernissen, mit unseren Stimmungsschwankungen umgehen. Jeder von uns kennt ein schnell wirkendes seelisches Reparaturset. Immer sind es aktive Muster: Man macht Sport, ruft Freunde an, bereitet eine schöne Mahlzeit zu und vertreibt so die düsteren Seelenwolken.

Humor: Stufe 2

Zusätzlich gibt es heute verschiedene Programme, die uns wieder in eine humorvolle Stimmung bringen sollen. Es gibt vor allem das Lachyoga, bei dem man durch Atem- und Entspannungsübungen und komisch anmutende Techniken zum Lachen gebracht wird. Dann gibt es ein Humortraining, bei dem man nachforscht, was uns zum Lachen bringt, was wir komisch finden. Solche Techniken sind wichtig, sie sind der Anfang einer notwendigen Stärkung des Humors. Denn Humor beruht immer auf einer großen Ich-Stärke. Wir müssen in der Lage sein, Probleme zu relativieren, wir müssen etwas finden, was wichtiger ist als unsere Schmerzen, unsere Ängste, unsere Krankheit. Kurzum: wir brauchen Persönlichkeit. Allerdings dauert dies Jahre und ich frage ich mich seit 20 Jahren: wie kann ich diesen Prozess beschleunigen.  Das ist nicht einfach, denn meist wollen wir viel erreichen, ohne dass wir uns dafür anstrengen müssen. Aber den Humor bekommen wir nicht geschenkt: wir müssen vielmehr unser Leben entwickeln

Humor: Stufe 3

Ich fand vier Faktoren, die ich Humorbeschleuniger nenne. Es ist zum ersten unser Selbstbewusstsein. Unser Ich Stärke hängt stark davon ab, ob ich über eine gute Selbstachtung verfüge oder ob ich mich ständig kritisiere. Deutschland ist ein Land, in dem traditionell eher wenig gelobt wird, aber wir können lernen unsere Selbstachtung zu steigern. Ich kann beispielsweise überlegen, was meine 5 positiven Eigenschaften sind. Wenn ich damit Schwierigkeiten habe, kann ich Freunde bitten, mir diese Eigenschaften aufzuschreiben. Und ich kann dann jeden Abend überlegen, was ich gut gemacht habe. Dann entwickelt sich in mir langsam ein Potential meiner positiven Eigenschaften.

Unsere Ich-Stärkung hängt dann auch stark davon ab, ob wir eine gute Liebesbeziehung haben, ob wir gute Freundschaften pflegen. Wir brauchen ein soziales Dorf, das uns auch in Krisenzeiten trägt uns stützt.

Dann hängt unsere Lebensstimmung sehr davon ab, ob wir unsere Lebensziele verwirklichen. Meist schieben wir unendlich viele Dinge vor uns her. Wir wollen tanzen lernen, mit dem Rauchen aufhören, wir wollen gesünder leben, und endlich aufräumen… Die Tragik unseres Lebens besteht meist darin, dass wir immer wieder Dinge aufschieben. Wenn wir ein wenig diese Ziele verwirklichen, bekommt unser Leben einen neuen Schwung.

Das sind drei aktive Muster. Aber es ist etwas viertes wichtig. Das ist Achtsamkeit. Wir  brauchen in jeder Woche mindestens zwei Stunden Zeit für uns, wo wir innehalten, unsere innere Stimme hören, wo wir spüren, wie es uns geht. Wenn wir diese vier Punkte 100 Tage verwirklichen, werden wir merken, wie unser Ich wächst und der Humor zunimmt. So wie ein Krokus aus der Erde kommt, wird auch eine ungeahnte Lebensfreude in Ihnen aufsteigen.

Doch dann steigt nicht nur unser Humorpotential, wir haben auch mehr Abwehrkräfte. Und wenn wir einmal krank werden, können wir besser damit umgehen. Das gelingt am ehesten, wenn wir uns mit Menschen umgeben, die gern lachen. Das war auch die Devise von Audrey Hepburn. Sie bekannte einmal: „Ich liebe Menschen, die mich zum Lachen bringen. Ich glaube wirklich, dass Lachen meine liebste Beschäftigung ist. Es heilt jede Menge Krankheiten. Vielleicht ist es überhaupt das Wichtigste am Menschen.“

Kostenloser Abdruck – auch teilweise – bei Erwähnung des Buches

Wolfgang Krüger: Humor für Anfänger und Fortgeschrittene

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